Afghanistan

Dringender Aufruf Kölner Initiativen

Köln, 19. August 2021

Armin Laschet möchte ca. 1800 afghanischen Menschen, die von der Bundesregierung evakuiert werden, Soforthilfe leisten und sie in NRW aufnehmen. Die Rede ist von etwa 800 Ortskräften und 1000 besonders gefährdeten Frauen (Journalist*innen, Menschenrechtsaktivist*innen, Künstler*innen etc.). Der Grund für diese begrenzte Zahl sind die Kapazitäten in den zentralen Unterbringungseinrichtungen (ZUE) in NRW.

Völlig vergessen werden dabei die vielen Menschen, die in NRW Angehörige haben und aufgrund der geschönten Lageberichte zu Afghanistan seit Jahren darauf warten, zu ihren Familien in Deutschland nachkommen zu dürfen. Die Großzahl dieser Menschen sind Frauen und Kinder. Diese Frauen sind in den Augen der Taliban jetzt allein, denn ihre Männer im Ausland gelten als Verräter. Sie müssen unverzüglich gerettet werden. Ihnen droht die Zwangsverheiratung mit Taliban-Kämpfern, ihnen droht Vergewaltigung und Tod. Was mit ihren Kindern passieren wird, daran wagen wir nicht einmal zu denken. Es steht ein Massen-Femizid bevor. Wenn die Frauen keinen anderen Ausweg sehen, bleibt ihnen nur die Selbsttötung. Berichte von beabsichtigten Selbstmorden haben uns bereits erreicht.

Für Familienangehörige in Deutschland lebender Afghan*innen braucht es keine „Aufnahmekapazitäten“, denn ihre Ehemänner und -frauen, Brüder, Schwestern, Mütter, Väter oder Kinder leben und bereits in Deutschland, haben eigene Wohnungen und sind berufstätig. Zudem gibt es in der Zivilgesellschaft sehr viele Menschen, die gern bereit sind, Patenschaften für Afghan*innen zu übernehmen und Wohnraum zur Verfügung zu stellen.

Wir fordern deshalb im Rahmen eines Landesaufnahmeprogramms für NRW den sofortigen Schutz und die Evakuierung all dieser besonders vulnerablen Personen aus Afghanistan und, wenn nötig, auch aus den Nachbarländern, in die sie bereits geflüchtet sind. Die Bundesregierung muss mit den Taliban über sichere Zufahrtswege zum Flughafen Kabul, sowie über sichere Transfers von Personen verhandeln, die sich außerhalb der Hauptstadt Kabul aufhalten.

Des Weiteren fordern wir psychosoziale Unterstützung für die hier lebenden Afghan*innen, die nun Sorge um ihre Familienangehörigen haben und eine starke Retraumatisierung erfahren. Organisationen, die mit Traumatisierten arbeiten, müssen dafür umgehend finanziell ausgestattet werden.

Die Landesregierung NRW muss sich darüber im Klaren sein, dass das Leid und die Enttäuschung der hier lebenden Afghan*innen und das Gefühl, dass ihnen niemand hilft und die Politiker*innen dieses Landes stattdessen sehenden Auges die Katastrophe in Kauf nehmen, auch schlimme Folgen für die bislang erfolgreiche Integration dieser Menschen haben wird.

Mit ihrem Handeln in Afghanistan hat die Bundesregierung 20 Jahre mühevolle Arbeit in Afghanistan zunichte gemacht. Wenn sie jetzt nicht handelt, um den hier lebenden Afghan*innen und ihren Angehörigen zu helfen, macht sie auch die Erfolge der vergangenen sechs Jahre in Deutschland zunichte. Dann haben wir in der Tat nichts geschafft!

Afghanistannotsafe Köln/Bonn

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AK Politik

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Spendenaufruf

 

Pro Asyl – Informationen

Flucht aus Afghanistan – was Deutschland jetzt tun muss

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Afghanistan: Eine Chronik des Versagens

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»Mein Körper ist hier, aber meine Seele ist bei meiner Familie in Afghanistan«

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